Deutsche Einzelstreckenmeisterschaften 2019 in Groß Gerau

Vom 24. bis 26. Mai fanden in Groß Gerau die Deutschen Einzelstreckenmeisterschaften 2019 statt. Gut 250 Starter haben sich auf dem 300m Rundkurs bei bestem Wetter gemessen.  Mit dabei waren auch vier Niedersachsen. Aus Hannover war Hans Freyse vom Inline Club Hannover am Start. Freitagmittag startete das 200m Sprintverfolgungsrennen, das erste von insgesamt fünf Rennen. Am gleichen Abend folgte dann noch das 10.000m Ausscheidungsrennen. Hans, der zum ersten Mal bei einer Bahn-DM teilgenommen hat, musste sich zunächst ins 16 köpfige Teilnehmerfeld seiner Juniorenklasse einordnen. Die Ergebnisse waren solide und wurden nüchtern analysiert. Wer ist schlagbar? Wer gehört zu welcher Mannschaft? Wer ist Sprinter? Alles wichtig, schließlich war Hans auf sich allein gestellt. Er hatte keine Mannschaftskollegen, die für ihn fahren konnten.

Der Samstag startete mit dem 500m Sprint. Hier purzelten Welt- und nationale Rekorde. Die Stimmung nahm zu. Die Aufregung stieg. Jetzt waren alle da, die in Deutschland mitmischen. Um 19:10 Uhr startete für Hans das 10.000m Punkterennen. Die Taktik war besprochen, das Aufwärmprogramm abgeschlossen. Dann der Start und alles kam anders. Ein Außenseiter übernahm die Führung und holte sich Punkte. Punkte, die Hans fehlen würden und so musste er auch nach vorn. Ganz nach vor. Das gelang ihm vier Runden lang. Auf seinem Konto waren jetzt vier Punkte. Doch erst 12 von 32 Runden waren absolviert. Die Favoriten, die nicht länger zugucken konnten, wie ihnen die Punkte geraubt wurden schlossen sich zusammen und sprinteten an Hans vorbei, der den Anschluss in diesem Moment nicht finden konnte. Trotzdem, 4 Punkte, mehr als alle anderen. Nun hieß es eine Verfolgergruppe aufzubauen, um die Überrundung und damit den Verlust der Punkte zu vermeiden. Jetzt zeigte sich, wie wichtig eine Mannschaft sein kann. Doch die 6köpfige Verfolgergruppe kam nicht zustande. Auch nach Ablauf der 16. Runde war nur Hans als Tempomacher aktiv, was letztendlich zum Einbruch führte. So waren alle Verfolger in der 20. Runde wegen drohender Überrundung ausgeschieden. Pech für Hans, der sich über das passive Verhalten seiner Mitstreiter sehr geärgert hat. Dieser Ärger, sollte Anreiz für den nächsten, letzten Renntag sein. Die 1.000m, bei denen man es allen zeigen kann.

Sonntag, es standen 2 Qualifikationsläufe für den Einzug ins 1.000m Finale an. Hans war im 2. Qualifikationslauf. Ins Finale kommen jeweils die ersten zwei und die sechs Zeitschnellsten. Der erste Lauf war schnell. Um weiterzukommen musste der 2. Lauf noch schneller werden. Nicht leicht, wenn dieser 2. Durchgang mit den zwei sprintstärksten Läufern besetzt ist. Was ist die richtige Taktik? Der Plan: Am Start gleich nach vorn, nicht abdrängen lassen, auf der Innenbahn bleiben und Tempo machen. Und dann halten. 3 1/2 Runden lang Powerspeedskating. Was anders war nicht drin, denn im Zielsprint war der Hallenser und der Kölner nicht zu besiegen. 09:50 Uhr: Start – Hans geht auf Bahn 1 in die Startbox (ganz innen), nach 10m geht es gleich in die erste Linkskurve. Es war klar, alle wollten gleich nach innen. Hans darf sich nicht von der Bahn drängen lassen. Dagegenhalten, nicht abdrängen lassen. Jetzt geht es los. Aufstellung, Kommando, Start. Mit einem gewaltigen Satz nach vorn und einem imponierendem Antritt explodierte Hans los. Von Anfang an auf Platz 1, immer im Wind. Die erste Runde mit 28,2s war absolviert. 2 Sekunden schneller als die Zwischenzeit des ersten Qualifikationslaufes. Der Kölner Sprinter in seinem Windschatten. Der Kölner ließ keinen vorbei. Hans blieb allein vorn. Die zweite Runde mit 26,8s. Immer noch schneller als der 1. Lauf, immer noch Hans vorn. Nun setzte der Kölner dem Tempo ein Ende. Er überholte Hans ausgangs der 2. Kurve, setzte sich vor ihn und hörte auf zu skaten, lies ausrollen. Seine Mannschaftskollegen waren im ersten Durchgang. Der Kölner wollte nicht, dass das hier ein schnelles Rennen wird und tat alles, um dieses Rennen langsam zu machen. Er wusste, im Sprint wird er gewinnen. Aber nicht so Hans. Hans musste überholen und tat dies sofort und machte sein Rennen. Trotzdem, die Dritte Runde war schon etwas langsamer, das Überholen kostete Kraft, 3 Runden im Wind bei höchstem Tempo kostete Kraft. Eine halbe Runde vor Schluss war der Akku leer, ganz leer. Mehr ging nicht. Trotzdem, drei Runden ganz großes Kino! Die Pläne der anderen Teams durcheinander gewürfelt, Bravo Hans.

Der Besuch in Groß Gerau hat sich gelohnt! Nächstes Jahr findet die DM in Halle statt. Ein Besuch ist das auf jeden Fall wert. Vielen Dank ans Skate Team Celle für das Bild.

Bericht von Christian Freyse