Mein erstes Mal Crossfit: Schmerzen, Spaß und Schmerzen

In der Gruppe quält es sich leichter. Das durfte Crossfit – Neuling Denny Gille hautnah erleben. Wie es ihm gefallen hat? Er kam immer wieder.

Fitnessstudio: zu langweilig. Nicht durchgehalten. Schwimmen: zu volle Hallen. Abgebrochen. Übungen zu Hause? Ich bitte euch. Da warten Couch, Bier und Entertainment – die mächtigsten Feinde des Sports.
Konsequenz: Meine Geschichte des sportlichen Scheiterns ist so lang wie die Liste der kleinen Zipperlein, die ein Körper in zehn Jahren Büroarbeit sammelt. Aber kein Sport darf auch keine Alternative sein. Und da war es gut, dass ich Mirko über den Weg gelaufen bin.

Der Vorsitzende des Inline Club Hannover zog gerade eine Crossfit – Gruppe auf. Also hab ich nicht lang gefackelt und folgte seiner Einladung zum Probetraining. Das Training findet in einer einfachen Sporthalle statt – Parkett, Backstein, eine nackte Betondecke, die vor Jahren ihre Deckenverkleidung verloren hat. Es riecht etwas muffig süß. Kurz: Das ist der asketische Sporttempel, den meine Motivation gesucht hat.
Das Equipment: Sportklamotten, Wasser, Handtuch und etwas Willensstärke. Mehr braucht man hier nicht. Den Rest übernimmt Trainer Christian. Glatze, durchtrainiert, war lange Berufssoldat. Das merkt man seinem Führungsstil auch an. Niemand kann dem Blick strenger Enttäuschung standhalten, den man erntet, wenn man eine Übung nur halbherzig macht. Dabei bin ich schon nach fünf Minuten außer Atem, der Schweiß tropft von der Stirn – und die Erwärmung ist noch nicht einmal abgeschlossen.
Tröstend: Nicht jeder in der Gruppe von etwa 20 Leuten ist in einer physischen Top-Verfassung. Klar, da gibt es einige drahtige Inline-Sportler, für die quälende Trainingseinheiten mehr Gewohnheit als Herausforderung sind. Aber da sind auch Neulinge, die mit Sport noch nicht viel am Hut hatten. Das Alter irgendwo zwischen 7 und 70 – jeder mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Jeder macht was er schafft. Hauptsache man schafft sich.
Dafür wird Trainer Christian heute schon sorgen. Viel mehr als das typische Schul-Sporthallenequipment braucht er dafür nicht. Sein Parcours: Er teilt die Sporthalle in der Mitte mit ein paar brusthohen Kästen. Davor und dahinter werden dicke Matten ausgelegt. In Zweierteams starten wir in den Parcours. Aufgabe: Irgendwie die Kästen überwinden und am anderen Ende der Halle zehn Liegestütze absolvieren. Auf dem Rückweg springen wir über fünf Bänke. Und da wartet schon der Partner zum Abschlagen. Warten heißt hier: Kniebeuge machen, bis der andere den Parcours erledigt hat. Dann wird gewechselt. Immer in Bewegung bleiben heißt die Devise. Und nach 20 Minuten, gefühlt 45, haben wirklich alle Muskelfasern im Körper schmerzlich begriffen, dass ihre Tage als verweichlichte Würmchen gezählt sind.
Die Wasserflasche ist längst alle. Die Gesichter der anderen: geschafft und glücklich. Ein kurzes Dehnprogramm schließt die Trainingseinheit ab. Später werde ich lernen, dass Muskelkater in verschiedenen Stufen zünden kann – und dass der zweite Tag nach dem Training noch schlimmer ist als der erste.
Doch all das Leid ist eine Woche später vergessen. Dann quält Trainer Sören die Gruppe. Jedes Mal sind andere Übungen im Programm – mit Seilen, Bällen, Stangen und Kästen. So fühlt sich jedes Training auf ganz individuelle Art eklig an. Abwechslung ist die Seele dieses Sports. Das sorgt für Motivation, Überraschungen und richtig viel Spaß.

Denny